HaSpo Bayreuth hat in der Handball-Regionalliga Bayern der Männer auch das zweite Spitzenspiel in Folge gegen ein zuvor unbesiegtes Team gewonnen. Das Duell mit der TG Landshut erfüllte alle hohen Erwartungen und war sogar noch enger umkämpft, als es der Endstand von 34:31 (12:12) zum Ausdruck bringt.
Das belegt schon allein der wechselvolle Spielverlauf mit Zwischenständen von 3:0 (5.), 3:6 (12.), 7:7 (15.), 7:10 (22.) und 12:11 (29.) in der weitgehend von der Defensive geprägten ersten Halbzeit sowie einer vollkommen unterschiedlichen zweiten Hälfte mit einem temporeichen Schlagabtausch und 22:19 Toren. Dabei baute HaSpo die in zweifacher Unterzahl durch Johannes Ruoff erzwungene 17:16-Führung (38.) zwar gleich bis auf 25:20 (46.) aus und stabilisierte sie bis zum 31:27 (55.), aber dann wurde gleich eine ganze Reihe von „Matchbällen“ vergeben.
Das Zittern begann schon beim Stand von 30:26 sechseinhalb Minuten vor dem Ende, als Benedict Fröhlich nach einem Ballgewinn gegen sieben Landshuter Feldspieler am leeren Tor vorbei warf und die Gäste stattdessen schnell auf drei Tore verkürzten. Der erneut sehr durchschlagskräftige Nico Brückner antwortete zwar noch einmal mit dem 31:27, aber die wenige Sekunden danach folgende Zeitstrafe für Fröhlich führte zu zwei Gegentoren in Unterzahl zum 31:29. Dazwischen vergab ausgerechnet Sven Goeritz, der in seiner mittlerweile bewährten Rolle als stellvertretender Kreisläufer mit vier Treffern innerhalb von nur gut zweieinhalb Minuten einen spektakulären Beitrag zur 25:20-Führung geleistet hatte, eine große Chance zum möglichen und wahrscheinlich vorentscheidenden 32:28.
Als dann auch Rechtsaußen Moritz Schmidt beim Abschluss scheiterte, ein Foul an Brückner ungeahndet blieb und sich der allmählich unsicher wirkende Angriff bei angezeigtem Zeitspiel einen vermeidbaren Ballverlust leistete, kamen die Landshuter über Tempospiel schließlich bei einer Restspielzeit von 1:45 Minuten sogar zum 31:31-Ausgleich. Den drohenden Punktverlust verhinderten letztlich jedoch die drei besten Bayreuther: Der schnelle und wie immer enorm kampfstarke Ruoff eroberte mit einem Durchbruch die Führung zurück, der alles überragende Torhüter Tizian Braun parierte den überhasteten Landshuter Versuch zum schnellen Gegenschlag, und Brückner erzielte gegen eine offene Manndeckung und bei erneut drohendem Zeitspiel 28 Sekunden vor Schluss trotz harter Bedrängnis das 33:31. Der letzte Treffer von Maximilian Berthold ins leere Tor erhöhte nur noch die Feierstimmung.
Der HaSpo-Erfolg in einem taktisch anspruchsvollen und intensiv bis hart geführten Spitzenspiel (10:12 Strafminuten) war nicht zuletzt ein Kraftakt. Schließlich kamen von den 13 aufgebotenen (teils stark angeschlagenen) Feldspielern nur acht zum Einsatz. Neben den erfolgreichsten Torschützen ragten wieder die Abwehrleistungen von Goeritz und Berthold heraus. Der anstelle des verletzten Timon Hübner in die Startformation gerückte Clemens Maeser gab einige Proben seiner Durchschlagskraft aus dem Rückraum, hatte aber Pech mit drei krachenden Pfostentreffern. Zudem zeigte das eine oder andere Missverständnis, dass die Einbindung des Neuzugangs noch nicht abgeschlossen ist. Auch der andere Neu-Bayreuther Philip Eßlinger hatteseinie bisher größten Spielanteile und überzeugte nicht nur mit Treffsicherheit von links außen, sondern auch als Aushilfe in der Rückraummitte.
Alles zusammen hätte aber kaum zum Sieg gereicht, wenn nicht Braun eine derart glänzende Torwartleistung geboten und unter anderem drei von sechs Siebenmetern zunichte gemacht hätte. Sonst wäre der Rückstand in der ersten Halbzeit vielleicht schon vorentscheidend ausgefallen, denn da hatten die Landshuter deutlich mehr klare Chancen, während es dem HaSpo-Angriff aufgrund kleiner Ungenauigkeiten oft schwer fiel, eine Lücke in der beweglichen TG-Deckung zu finden. Umso bemerkenswerter war dann die Torflut nach dem Seitenwechsel.
Auch auf Landshuter Seite fehlte mit Daniel Scheibengraber ein Leistungsträger. Auf seiner Position überzeugte aber der sonst hauptsächlich als Außen eingesetzte langjährige HaSpo-Kapitän Paul Saborowski (4 Tore), der zusammen mit dem anderen Ex-Bayreuther Tobias Gretsch (5) und dem schnellen Spielmacher Filip Sunajko (7) eine sehr starke Rückraumreihe bildete.
„Mein Dank gilt den Zuschauern für ihren stimmungsvollen Rückhalt“, war die erste Aussage von HaSpo-Trainer Mathias Bracher nach dem Spiel. „Das war ein sehr wertvoller Faktor für uns. Schließlich hatten wir es mit einem richtig guten Gegner zu tun, der immer an seine Chance geglaubt hat.“ Einmal mehr sei es seiner Mannschaft gelungen, personelle Ausfälle gut zu kompensieren, was auch sein Assistent Steffen Berghammer noch unterstrich: „Wir wollen ja gar nicht darüber reden, wer noch alles angeschlagen war. Da dürfen wir wirklich stolz darauf sein, wie die Jungs alles reingeworfen haben.“
HaSpo Bayreuth: Braun, Hennig – Nicola, Fröhlich (4), Böker, Ruoff (6), Brückner (11/2), Berthold (2), Rodenkirchen, Maeser (2), Goeritz (4), Eßlinger (3), Hübner, Schmidt (2), Schlitter.