HaSpo Bayreuth hat in der Handball-Regionalliga Bayern der Männer die Vizemeisterschaft aus der Vorsaison wiederholt. Der dafür nötige Erfolg am letzten Spieltag gelang sogar viel leichter als erwartet, denn trotz eines mehr denn je geschwächten Kaders gelang gegen den erst seit einer Woche als Absteiger feststehenden TSV Haunstetten der weitaus höchste Saisonsieg mit 37:17 (20:11).
Zusätzlich dürfen die Bayreuther für sich in Anspruch nehmen, die wenigsten Gegentore aller Mannschaften zugelassen zu haben. Die 17 drückten den Schnitt pro Spiel sogar noch auf 23,62, während der zuvor in dieser Statistik noch mit zwei Toren führende Meister SG Regensburg beim 33:26-Sieg bei HT München neun Treffer mehr kassierte. Wenn man berücksichtigt, dass die Oberpfälzer durch die Absage des Spiels gegen die DJK Waldbüttelbrunn zwei kampflose Punkte ohne Gegentor verbucht haben, liegt ihr Durchschnitt aus 25 Begegnungen mit 24,84 sogar deutlich höher.
Dabei war die schon seit langer Zeit problematische Personaldecke diesmal sogar dünner denn je. Nachdem sich die Verletztenliste um den formstarken Rechtsaußen Moritz Schmidt verlängert hatte, fehlte praktisch auf jeder Position eine Besetzung, die zusammen eine veritable Startformation bilden würde: Der junge Spielmacher Tim Lorenz war zum wiederholten Mal gar nicht dabei, Kapitän Fabio Nicola (Kreis), Johannes Ruoff (Rückraum rechts) und Sven Goeritz (Linksaußen) standen auf dem Spielberichtsbogen, ohne richtig einsatzbereit zu sein, und Nico Brückner (Rückraum links) konnte erneut nur wenig mehr als Abwehrarbeit beitragen. Somit standen nicht mehr als neun Feldspieler uneingeschränkt zur Verfügung, darunter Kreisläufer Tim Schmälzle aus der A-Jugend, der lediglich beim Saisonstart schon einmal einen Kurzeinsatz absolviert hatte.
Trotz allem verlief die Partie jedoch von der ersten bis zur letzten Minute einseitig. Das fast durchgehende Spiel des TSV Haunstetten mit sieben Feldspielern, mit dem der Aufsteiger in der zweiten Saisonhälfte einige Überraschungserfolge errungen hatte, erzielte kaum Wirkung gegen die bewegliche und etwas defensiver als üblich formierte HaSpo-Deckung mit gewohnt starken Torhütern. Ausnahmen waren nur ein paar Siebenmeter durch das Spiel über den Kreis, doch von sieben Strafwürfen wurden nur drei verwandelt.
Auf der Gegenseite nutzten aber auch die Bayreuther längst nicht alle Chancen, die sich aus der hohen Fehlerquote der Gäste ergaben. Beim 12:6-Zwischenstand (17.) hatten sie nur mit einem von vier Würfen aufs leere Tor das Ziel getroffen. Danach hielten sie sich damit zurück und ließen nur noch einen solchen Versuch (mit Erfolg) in der zweiten Halbzeit folgen. Als effektiver erwiesen sich erweiterte Gegenstöße, die trotz der ungewohnten Besetzung meist gut ausgespielt und gegen die sehr offensive, aber in den Zweikämpfen klar unterlegene Abwehr sicher abgeschlossen wurden.
Zehn Tore im Abschiedsspiel
Da die Bayreuther beim Einsatz und vor allem bei der Spielfreude nie nachließen, wuchs ihr Vorsprung somit stetig an. Erst vier Minuten vor Schluss war mit 36:16 der höchste Abstand erreicht. Den größten Anteil daran hatte Hannes Fischer bei seinem Abschiedsspiel. Der Rückraumspieler, der mit Unterbrechungen seit 2021 dem Verein angehört und zunächst in der zweiten Mannschaft spielte, wird nun nach dem Abschluss des Sportökonomie-Studiums mit dem Master-Titel seine berufliche Laufbahn in München beginnen. Bei seinem sichtlichen Feuereifer wäre vielleicht hin und wieder auch ein Abspiel eine Option gewesen, aber der Erfolg mit zehn Toren gab ihm Recht.
Ebenso viel Spaß hatte der Nachwuchs im HaSpo-Team. Die Außen Benjamin Müller und Luis Rodenkirchen nutzten ihre fast pausenlose Einsatzzeit zu insgesamt zehn Treffern, wobei Müller mit sechs Feldtoren sogar einen persönlichen Rekord aufstellte, und mit dem 35:16 (56.) feierte schließlich auch noch Schmälzle seinen umjubelten ersten Torerfolg in der Regionalliga.
Daran hatte auch Trainer Mathias Bracher sein Vergnügen: „Ich freue mich immer, wenn die jungen Leute Erfolg haben. Einige haben sich über den gesamten Saisonverlauf sehr stark entwickelt.“ Entsprechend euphorisch fiel auch das Saisonfazit des HaSpo-Vorsitzenden Andreas Berghammer aus: „Ich habe Hochachtung vor den Trainern und den Spielern. Was sie in dieser Saison geleistet haben, war sensationell!“
HaSpo Bayreuth: Braun, Hennig – Nicola, Fröhlich (1), Böker (1), Ruoff, Brückner (4/3), Berthold (4), Müller (6), Rodenkirchen (4), Schmälzle (1), Meyer-Siebert (3), Wopperer (3), Fischer (10), Goeritz.
Bangen um die Zukunft von Tizian Braun
Neben Hannes Fischer wurde nach dem Spiel auch Yannik Meyer-Siebert aus dem HaSpo-Team verabschiedet. Das Eigengewächs hatte sich zwar schon vor zwei Jahren beruflich nach München verändert, aber er stellte sich weiterhin nach Möglichkeit zur Verfügung und wurde unter der zunehmenden Personalnot trotz des eingeschränkten Trainingspensum sogar noch einmal zu einem wichtigen Faktor im Team. Zudem arbeitete er als Koordinator im Jugendbereich im Vorstand mit.
Ein Hauch von Abschied war auch mit dem letzten Saisonspiel von Tizian Braun verbunden. Der beständig herausragende Torhüter, der auch als Nachwuchstrainer im Verein aktiv ist, wartet auf die Entscheidung des Kultusministeriums über seine erste berufliche Station als Lehrer. „Meine Fächerkombination aus Chemie und Geografie für das Gymnasium muss eben passen“, sagt Braun. Sechs bis sieben Schulen in Bayern kämen dafür infrage. Die Unsicherheit sei „eine ziemliche Katastrophe“, nicht zuletzt auch für die dann nötige Wohnungssuche. Berghammer bezeichnete es als „unfassbaren Alptraum“, dass die Entscheidung der Behörde bis drei Wochen vor Beginn des Schuljahres auf sich warten lassen kann. Wenn die Wahl letztlich doch auf einen Standort in akzeptabler Nähe fallen sollte, werde Braun auch weiterhin im HaSpo-Tor stehen.