Fünf Aufgaben muss HaSpo Bayreuth in der Handball-Regionalliga Bayern der Männer noch lösen, um sich beim Heimspiel gegen Spitzenreiter SG Regensburg am 25. April den Traum von einem Duell mit Endspiel-Charakter zu erfüllen. Die zurückliegenden Begegnungen haben allerdings gezeigt, dass kaum eine dieser Hürden ganz mühelos zu überwinden sein wird. Ganz sicher gilt das auch gleich für die erste am Samstag um 18 Uhr beim SV Anzing, obwohl die Gastgeber mit 16:20 Punkten auf dem achten Platz der unteren Tabellenhälfte angehören..
Dabei ließe sich die Einstufung der Bayreuther als Favoriten durchaus noch damit untermauern, dass sie das Hinspiel so klar dominiert haben wir kaum eine andere Partie in dieser Saison. Eine schon überdeutliche 17:6-Führung bei Halbzeit bauten sie sogar noch bis auf 26:10 aus (47.). Allerdings war die Mannschaft des Anzinger Trainers Julian Ruckdäschel, der in Bayreuth noch als schneller und trickreicher Spielmacher des HaSpo-Teams in bester Erinnerung ist, damals nicht komplett. Vor allem fehlte Sebastian Felber, der mit 58 Treffern in nur elf Einsätzen den höchsten Schnitt an Feldtoren im Team vorweisen kann (5,27 pro Spiel) und in den zurückliegenden beiden Partien zusammen satte 17-mal getroffen hat. Somit fehlte es im Rückraum an Unterstützung für Sebastian Erber, der in Bayreuth mit sieben Toren herausragte und insgesamt auf 4,57 pro Spiel kommt. Gut im Griff hatte HaSpo dagegen Florim Hoxha, der mit 118 Toren (davon 51 Siebenmeter) in der Torjägerliste der Liga an zweiter Stelle liegt, in Bayreuther aber nur auf 3/1 kam. Der Rechtsaußen gehört immer noch der Nationalmannschaft des Kosovo an und wurde gerade erst wieder für zwei EM-Qualifikationsspiele gegen Bosnien-Herzegowina Ende März nominiert.
Ausfälle des einen oder anderen Leistungsträgers waren auch im gesamten Saisonverlauf für eine schwankende Formkurve des SV Anzing verantwortlich. Der Aufsteiger des Jahres 2024, der in seiner Debütsaison einen sehr respektablen siebten Platz belegt hat, schien mit drei Siegen vor dem Jahreswechsel schon sorgenfrei im Mittelfeld etabliert zu sein. Das neue Jahr begann aber mit personellen Problemen und 2:8 Punkten, ehe mit kompletter Besetzung der damals punktgleiche TSV Lohr mit 35:23 aus der Halle gefegt wurde. Zuletzt fehlte dann wieder Erber, und es reichte prompt beim Tabellenvorletzten TSV Haunstetten nur zu einem 29:29.
Neuer Torwart mit Profi-Erfahrung
Mehr Stabilität darf man sich in Anzing nun aber von zwei Neuzugängen erhoffen. Während der 21-jährige Rückraumspieler Tim Steininger vom Bezirksoberligisten Altenerding eher die Breite des Kaders verstärkt und das in zwei Einsätzen auch schon gezeigt hat, verspricht der nun wahrscheinlich gegen HaSpo debütierende Torhüter Felix Hertlein einen sofortigen Qualitätszuwachs. Der 33-Jährige war zwölf Jahre lang als Profi aktiv, und zwar hauptsächlich beim ASV Hamm-Westfalen, mit dem er 2022 sogar den Aufstieg zu einem einjährigen Bundesliga-Gastspiel schaffte. Zuvor hatte er den Jugend- und Junioren-Nationalmannschaften angehört. Als die DHB-Auswahl bei der U18-Europameisterschaft 2010 den vierten Platz erreichte, wurde er sogar ins Allstar-Team gewählt. Nach dem Abschied von der Profi-Laufbahn hat sich Hertlein nun beruflich in den Raum München verändert.
Man kann also verstehen, dass HaSpo-Trainer Mathias Bracher in Anzing eine „sehr unangenehme Aufgabe“ erwartet: „Das ist jetzt schon eine richtig gute Truppe. Sie baut nicht mehr auf körperlich starke Leute und eine gewisse Härte, sondern hat im Rückraum gefährliche und vor allem schnelle Leute.“ Es werde somit kaum leichter als beim letzten Heimsieg gegen den Aufsteiger HBC Nürnberg, der nach einer 18:11-Führung am Ende mit 29:26 noch recht mühsam wurde. „Ich will nicht immer über den kleinen Kader klagen. Aber man sieht gerade in solchen Spielen mit durchgehend hohem Tempo, dass die Leistungsträger früher oder später platt sind. Auch unsere Abwehr war nicht ganz so gut wie gewohnt, aber dafür haben wir das Torwart-Duell gewonnen.“
Besonders schmerzlich ist derzeit der Ausfall von Johannes Ruoff, der sich zuvor in Landshut eine Knieverletzung zugezogen hatte. „So müssen wir zeitweise ohne Linkshänder im Rückraum auskommen, was uns spielerisch schon deutlich einschränkt“, erklärt Bracher. Umso wichtiger ist nun wieder die Rolle des erfahrenen und vielseitigen Stefan Wopperer als Leitfigur im ansonsten sehr jungen und physisch oft unterlegenen Rückraum: „Er macht kluge und überlegte Dinge, wenn die jungen Leute hektisch zu werden drohen.“