Spielt in der kommenden Handball-Saison wieder mal ein Eigengewächs von HaSpo Bayreuth in der Bundesliga? Das hängt davon ab, ob der aktuelle Zweitliga-Tabellenführer HC Elbflorenz Dresden den Aufstieg in die höchste Spielklasse schafft. Bei den Sachsen hat nämlich Julius Meyer-Siebert gerade einen Vertrag für die nächsten beiden Spielzeiten unterschrieben.
Die Entscheidung über die künftige Liga-Zugehörigkeit wird sicher noch etwas auf sich warten lassen. Nach Abschluss der Zweitliga-Vorrunde liegt der HC Elbflorenz mit 28:6 Punkten gleichauf mit der SG Bietigheim an der Spitze, aber auch HBW Balingen-Weilstetten (26:8) sowie VfL Potsdam und HSG Nordhorn-Lingen (jeweils 25:9) haben noch alle Chancen auf einen der beiden Aufstiegsplätze. „Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich schon die Bundesliga wählen“, sagt der 25-jährige Meyer-Siebert, dessen älterer Bruder Yannik bei HaSpo in der Regionalliga Bayern spielt. „Aber es wäre auch ein schönes Ziel, das im nächsten Jahr gemeinsam zu schaffen.“
Aktuell muss der 2,06 m große Rückraumspieler noch mit dem TuS Ferndorf auf Platz 15 der 2. Bundesliga gegen den Abstieg kämpfen, obwohl er mit 51 Feldtoren in 15 Spielen in der internen Torjägerliste an dritter Stelle liegt, zudem 24 Assists verteilte und seinen Ruf als herausragender Abwehrspieler gefestigt hat. Wie wird sich das dann anfühlen, wenn der HC Elbflorenz am 10. April in Ferndorf zu Gast ist? „Wahrscheinlich schon ein bisschen komisch“, bekennt Meyer-Siebert. „Aber ich hatte das schon mal, als ich mit den Eulen Ludwigshafen bei meinem künftigen Verein in Hamm gespielt habe, der damals noch um den Aufstieg kämpfte – da haben wir gewonnen! Selbstverständlich haue ich bis zum Schluss alles für Ferndorf rein.“
Ganz neu wäre die Bundesliga für Meyer-Siebert nicht. Nachdem er seine im Alter von sechs Jahren (!) begonnene Ausbildung bei HaSpo 2017 mit dem Wechsel an die Nachwuchs-Akademie des SC DhfK Leipzig intensiviert hatte, kam er dort bereits in der Saison 2018/19 bei den Profis zum Einsatz. In 38 Bundesligaspielen für Leipzig erzielte er 27 Tore und empfahl sich zur Nominierung für die U19-Weltmeisterschaft 2019, bei der er mit der deutschen Auswahl die Silbermedaille gewann. Teamkollegen waren dabei auch einige heutige A-Nationalspieler. „Julian Köster war sogar mein Zimmergenosse“, berichtet Meyer-Siebert. „Auch Nils Lichtlein war dabei, obwohl er zwei Jahre jünger ist. Juri Knorr gehörte in der Vorbereitung noch zum Kader, musste das Turnier dann aber absagen.“ Zusätzliche Erfahrungen in der „ganz großen“ Handball-Welt sammelte der Bayreuther Ende 2021 in drei Monaten als Leihspieler beim damals von großen Personalsorgen geplagten Spitzenteam der SG Flensburg-Handewitt, wo er auch mit der Champions League in Kontakt kam.
Anschließend zog Meyer-Siebert die Aussicht auf eine viel verantwortungsvollere Rolle in der 2. Bundesliga vor. In Ludwigshafen und Hamm wurde er den Ansprüchen an einen Leistungsträger auch gerecht, aber nach dem sehr unglücklichen und spät besiegelten Abstieg der Westfalen am Ende der vergangenen Saison gab es nicht mehr viele Optionen für einen erneuten Vereinswechsel. Nur beim TuS Ferndorf war eine passende Stelle frei, was Meyer-Siebert aber keinesfalls als Notlösung bezeichnen will: „Ich habe dort eine Mannschaft gefunden, die mir eine gute Rolle bieten konnte. Das war mein erstes Ziel. Nach dem etwas chaotischen Jahr zuvor wollte ich mich aber trotzdem erst mal nur für ein Jahr binden.“
In Dresden erhofft sich der Bayreuther nun wieder etwas mehr Kontinuität – trotz der noch offenen Liga-Frage. Das hat nicht zuletzt mit Trainer André Haber zu tun, mit dem er schon in Leipzig gearbeitet hat: „Wir wissen schon, was wir voneinander erwarten können. So hat er wohl das Gefühl, dass ich in Abwehr und Angriff für seine Art von Handball gut passe, und ich glaube das ebenso. Auch charakterlich kommen wir gut miteinander aus und haben beide Lust auf die erneute Zusammenarbeit. Der Kontakt ist auch nie ganz abgerissen.“ Zudem kennt Meyer-Siebert schon einige seiner künftigen Teamkollegen: „Mit Oliver Seidler und Timo Löser habe ich schon in Leipzig zusammen gespielt, mit Anton Preußner kurz in Hamm. Einige andere kennt man als Gegenspieler, und generell ist man sich schon allein durch die Nähe von Leipzig und Dresden häufig in Testspielen begegnet. Die Eingewöhnung sollte also kein Problem sein.“