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    Gesucht wird die Mannschaft des Jahrzehnts

    29.05.2021

    Was kann man tun, wenn keine Mannschaft des Jahres zu wählen ist, weil es gar keine Wettbewerbe gab? Man wählt eine Mannschaft des Jahrzehnts! Diese Aktion beginnt am 4. Juni und dauert in mehreren Phasen bis zum 18. Juli.

    Sportlerwahl - Das Jahr 2020 hat nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie in den meisten Sportarten keinen regulären Saisonabschluss zugelassen. Folglich gab es keine vernünftige Grundlage, um wie gewohnt eine Mannschaft des Jahres im Bayreuther Raum zu wählen.


    Dafür hat das Sportkuratorium in Zusammenarbeit mit Studierenden der Universität aber ebenso ein alternatives Format entwickelt wie für den Ball des Sports, der stets das Forum für die Sportlerehrungen war und nach der virtuellen Veranstaltung vor einem Jahr auch diesmal nicht in bewährter Weise veranstaltet werden kann: Im Rahmen des Projekts Sport/Bayreuth wird nun die Mannschaft des Jahrzehnts gesucht, und zwar durch eine Abstimmung, die ausschließlich über das Internet abgewickelt wird.

    Die Aktion beginnt am Freitag kommender Woche, 4. Juni, über die Internetseite sportlerwahl.kurier.de, auf der dann auch alle Details zum Ablauf der Wahl zu finden sein werden.

    Zur Wahl stehen die Titelträger der Jahre 2010 bis 2019. Das sind aber nicht zehn Vereine, sondern nur sechs, denn vier davon wurden in diesem Zeitraum noch ein zweites Mal geehrt.

    Diese Kandidaten stellen sich zunächst in einer ersten von drei Abstimmungsphasen bis zum Sonntag, 20. Juni (24 Uhr), einer Vorausscheidung, aus der vier Teams die zweite Runde erreichen. Unter diesen werden dann zwei direkte Duelle ausgelost, in denen es in der zweiten Wahlphase von 22. Juni bis 4. Juli um die Mobilisierung der größeren Zahl an Wählerstimmen geht.


    Die beiden Gewinner dieser Duelle stehen sich dann in gleicher Weise im Finale gegenüber, das am 6. Juli beginnt und am 18. Juli endet.

    Die Ehrung der „Mannschaft des Jahrzehnts“ erfolgt schließlich als Teil des Programms beim „Tag des Sports“ am 24. Juli.

    Die Kandidaten in chronologischer Reihenfolge
    2010 und 2017: - BBC/Medi Bayreuth (Basketball)

    Elf Jahre nach dem sportlichen Abstieg und wirtschaftlichen Zusammenbruch des Vereins Basket Bayreuth führte der damals neu gegründete BBC den traditionsreichen Basketball-Standort Bayreuth zurück in die Bundesliga. Dieser Meilenstein für die spätere Entwicklung des Klubs wurde unter Trainer Andreas Wagner sogar sehr souverän erreicht. Auf dem Weg zur Meisterschaft in der 2. Liga ProA, die damals noch ohne Playoffs entschieden wurde, gingen nur sechs von 30 Spielen verloren (darunter das bereits bedeutungslose letzte). Als Zugabe gelang schließlich auch noch der Gewinn des in dieser Form heute nicht mehr existierenden Wettbewerbs um den DBB-Pokal, an dem die Bundesligisten nicht beteiligt waren.

    Nach einigen Jahren des mehr oder weniger mühsamen Kampfes um den Klassenerhalt brachte die Saison 2016/17 dann den nächsten derart herausragenden Höhepunkt, dass an der erneuten Wahl zur Mannschaft des Jahres praktisch kein Weg vorbeiführte: In der ersten Saison nach dem Amtsantritt von Trainer Raoul Korner stürmte das mittlerweile unter dem Namen Medi Bayreuth firmierende Team erstmals nach dem Aufstieg aus der unteren Tabellenhälfte der Bundesliga heraus und dann gleich bis auf den vierten Platz. Damit gelang nicht nur erstmals seit mehr als 20 Jahren die Qualifikation für die Playoffs um die Deutsche Meisterschaft, sondern sogar für die Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb. In der folgenden Saison 17/18 waren die Bayreuther in der Champions League vertreten und erreichten sogar auch auf dieser ranghöchsten Ebene unter dem Dach des Weltverbands Fiba das Playoff-Viertelfinale.

    2011: - ASC Bindlach (Ringen)

    Eine der sportlichen Erfolgsgeschichten zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts schrieben die Ringer des ASC Bindlach unter ihrem Trainer und späteren Vereinspräsidenten Matthias Fornoff. Mit einer weitgehend aus dem eigenen Nachwuchs aufgebauten Staffel waren sie 2010 als Neuling in der Bayernliga gleich zur Meisterschaft durchmarschiert und in die Oberliga aufgestiegen. Im folgenden Jahr wäre dann sogar in der dritthöchsten Klasse fast noch einmal dasselbe Kunststück gelungen. Vom ersten Tag an lagen die Bindlacher auch dort an der Spitze und verteidigten sie bis zum letzten Kampf. Obwohl sie dann durch die erste Heimniederlage seit drei Jahren doch noch auf Platz zwei verwiesen wurden, verdienten sie sich damit die Wahl zur Mannschaft des Jahres 2011.

    Dabei war der Höhenflug noch gar nicht zu Ende. Auch 2012 ging der Kampf um die Oberliga-Meisterschaft zwar knapp verloren, aber als Nachrücker wurde der ASC nachträglich trotzdem in die 2. Bundesliga aufgenommen. Mit einigen Verstärkungen für dieses professionelle Niveau, aber immer noch mit einer im Grunde bodenständigen Staffel mischten die Bindlacher sogar dort zunächst in der Spitzengruppe mit, ehe sie im zweiten Jahr nur noch knapp den Klassenerhalt schafften und im dritten den Abstieg nicht mehr vermeiden konnten.

    Das Ende der Ära leitete aber erst eine Reform der deutschen Ligastruktur ein. 2018 hätte der ASC Bindlach in die Bundesliga aufsteigen sollen, nachdem der Verband einige namhafte Vereine an eine unabhängige Profiliga verloren hatte. Die Absage an diesen Sprung auf die höchste Ebene wurde mit Rückstufung und einer Geldbuße bestraft, was den Verein ein Jahr später an seine Grenzen führte. Zwar hatte er sich als Meister der Bayernliga erneut für die Oberliga qualifiziert, doch auch diese Liga konnte er sich finanziell nicht mehr leisten und entschied sich daher 2019 für einen Neuaufbau in der untersten Klasse.

    2012: - RSV Bayreuth (Tischtennis)

    Die kleinste Mannschaft auf der Kandidatenliste war im olympischen Jahr 2012 die größte. Werner Burkhardt und Dietmar Kober vom RSV Bayreuth krönten ihre langjährige Laufbahn in der Weltelite der Rollstuhl-Tischtennisspieler mit der Teilnahme an den Paralympics in London. Zusammen mit Selcuk Cetin von der RSG Koblenz bildeten sie die deutsche Auswahl für den Mannschaftswettbewerb in der Wettkampfklasse 4. Mit einem 3:2-Sieg gegen Brasilien erreichten sie das Viertelfinale, doch für den Kampf um den Einzug in die Medaillenränge bescherte ihnen das Lospech ausgerechnet den späteren Goldmedaillengewinner China als Gegner, und da war eine 0:3-Niederlage nicht zu vermeiden. In der Bundesliga erreichten Burkhardt und Kober damals als Tabellensechster ungefährdet den Klassenerhalt, und auf dieser nationalen Ebene mischen sie auch heute immer noch mit.

    2013 und 2016: - EHC/Tigers Bayreuth (Eishockey)

    Stetig aufwärts ging es mit dem Bayreuther Eishockey, seit im Frühjahr 2006 der neu gegründete Verein EHC die Nachfolge des insolventen Oberligisten ESV angetreten hatte. Bezirksliga und Landesliga ließ er gleich in den ersten beiden Spielzeiten hinter sich, und nach der Stabilisierung in der Bayernliga gelang schließlich 2013 die Rückkehr in die Oberliga. Als Tabellenzweiter der Bayernliga-Hauptrunde und Gruppensieger in der Zwischenrunde schalteten die Bayreuther damals im Playoff-Halbfinale den EC Pfaffenhofen mit zwei klaren Siegen aus und setzten sich schließlich in einer mitreißenden Finalserie gegen den ERC Sonthofen mit 3:1 Siegen durch.

    Zu diesem Zeitpunkt dürfte kaum jemand erwartet haben, dass nach nur drei Jahren in der dritthöchsten Spielklasse noch ein weiterer Aufstieg gelingen würde. Schon der zweite Platz am Ende der Oberliga-Saison 2015/16 markierte den größten Erfolg der Vereinsgeschichte, aber dann ging der Höhenflug erst richtig los: Nach Siegen in den ersten Playoff-Runden gegen Deggendorf (3:0) und Halle (3:2) bedeuteten die spektakulären 3:1 Siege gegen den überlegenen Hauptrundenmeister EV Regensburg den Aufstieg in die DEL2. Das 0:3 im Finale um die deutsche Oberliga-Meisterschaft gegen die als nicht aufstiegsberechtigte Gastmannschaft im Norden mitspielenden Tilburg Trappers aus den Niederlanden hatte nur noch statistische Bedeutung und konnte die Freude über den unerwarteten Erfolg nicht trüben. In der zweithöchsten Spielklasse gelang sogar gleich die bis heute einmalige Qualifikation für die Playoffs. Dann wurde das Profi-Team in eine GmbH ausgelagert, und der heutige Zweitligist Bayreuth Tigers war geboren.

    2014 und 2019: - Haspo Bayreuth (Handball)

    Zwei Musterbeispiele für den Erfolg von kontinuierlicher Nachwuchsarbeit lieferte Haspo Bayreuth. Zunächst stellte der Handball-Verein 2014 die einzige Jugend-Mannschaft, die im vergangenen Jahrzehnt eine Wahl zur Mannschaft des Jahres gewonnen hat. Es war der Lohn für die bis heute einmalig gebliebene Qualifikation für die Bundesliga der männlichen A-Jugend. Der Sprung in den Kreis der 48 besten Mannschaften Deutschlands gelang sogar überraschend souverän als Gruppensieger der ersten beiden Ausscheidungsrunden, zunächst innerhalb Bayerns und dann in hoch emotionalen Spielen in heimischer Halle auf süddeutscher Ebene. Unter den zwölf Teams der Bundesliga-Gruppe Ost mit dem Nachwuchs von drei Erst- und sechs Zweitligisten spielten die Bayreuther dann eine sehr respektable Rolle, auch wenn es zum nötigen sechsten Platz zur Qualifikation für die folgende Saison am Ende doch nicht ganz reichte.

    Einige Spieler aus diesem Kreis trugen später wesentlich dazu bei, Haspo in der Männer-Bayernliga immer näher an die Spitze heranzuführen. Am Jahresende 2019 lagen die Bayreuther schließlich schon so aussichtsreich im Rennen um die Meisterschaft und den damit verbundenen Aufstieg in die 3. Liga, dass es trotz der noch laufenden Saison zum Zeitpunkt der Sportlerwahl zum Sieg reichte – und zwar mit dem knappsten Vorsprung des Jahrzehnts.

    Bis tatsächlich der große sportliche Erfolg gefeiert werden konnte, sollten aber danach noch einige Monate vergehen. Nach dem Abbruch der Saison und einem Streit mit dem Verband über die Auslegung der Quotientenregel in der Abschlusstabelle wurde Haspo erst als Nachrücker in die Spielklasse auf Bundesebene aufgenommen. Die Pandemie ließ zwar in der Debüt-Saison unter der größtenteils professionelleren Drittliga-Konkurrenz lediglich drei Spiele zu, aber dabei ist immerhin schon der erste Sieg gelungen.

    2015 und 2018: - LSG Bayreuth (Segelfliegen)

    Wen sonst sollte man zur Mannschaft des Jahres wählen, als die beste Mannschaft der Welt? Die Antwort auf diese Frage gab gleich zweimal den Ausschlag zur Entscheidung für die Segelflieger der LSG Bayreuth. Objektiv belegt ist dieser Titel zumindest innerhalb der Kriterien, die in dieser Sportart nicht nur den Betrieb einer Bundesliga mit 30 Vereinen ermöglichen, sondern sogar eine in dieser Form einmalige Weltliga, an der sich mitunter mehr als 1000 Vereine beteiligen. Voraussetzung dafür ist die objektive und international einheitliche Erfassung von Daten. Dabei geht es darum, mit der Elektronik an Bord des Flugzeugs innerhalb eines zweieinhalbstündigen Zeitraums eine möglichst hohe Durchschnittsgeschwindigkeit zu erfassen. An jedem Wettkampf-Wochenende werden die Werte der drei schnellsten Piloten eines Vereins zu einem Mannschaftsergebnis addiert.

    Wegen unterschiedlicher Details bei der Wertung ist der Doppelsieg in beiden Ligen nicht selbstverständlich, aber trotzdem ist er den Bayreuthern gleich zweimal innerhalb von vier Jahren gelungen. 2015 lieferten sie sich ein dramatisches Fernduell mit dem LSV Schwarzwald. Nachdem die Piloten vom Bindlacher Berg am 15. von 19 Durchgängen erstmals seit 2008 die Spitze der Bundesliga erobert hatten, verteidigten sie diese Position mit minimalem Vorsprung von drei, zwei, einem und wieder zwei Punkten bis zum Endstand von 267:259. Und 2018 fiel die Entscheidung sogar noch knapper aus. Im Zweikampf mit Titelverteidiger LSR Aalen wechselte an jedem der letzten sieben Wochenenden die Führung, ehe die LSG mit 262:260 die Oberhand behielt.

    Quelle: Nordbayerischer Kurier