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    „Können die Jungen nicht mehr halten“

    13.05.2019

    Nur in diesem Punkt sieht Vorsitzender Andreas Berghammer eine Bedrohung des Haspo-Konzepts

    Von Eberhard Spaeth

    „Über die Zukunft mache ich mir überhaupt keine Sorgen.“ Diese Aussage von Andreas Berghammer ist nicht selbstverständlich für den Vorsitzenden eines Vereins, dessen führende Mannschaften die Bayernliga-Saison gerade mit einer nahezu parallelen Talfahrt abgeschlossen haben. Vor den abschließenden Heimsiegen gegen die Tabellenletzten hatten die Frauen von Haspo Bayreuth nur zwei von neun Spielen gewonnen, die Männer gar nur zwei von zehn.

    Der Satz passt allerdings zur gewohnten Gelassenheit des 59-Jährigen: „Wir stehen grundsätzlich nicht unter dem Erfolgsdruck, irgendeine Liga erreichen zu müssen.“ Vor allem aber sei die Erklärung für die jüngsten Misserfolge offensichtlich: „Wir hatten wirklich unfassbares Pech mit Verletzungen. Das haben wir analysiert und sind uns sicher, dass es nichts mit falschen Trainingsmethoden oder mangelnder Prophylaxe zu tun hat. Tatsächlich ist das sogar der einzige Bereich, in dem wir wirklich Geld hinlegen. Aber es gibt nun mal keine Prophylaxe gegen Rippenbruch oder Schambeinbruch.“

    Manche Verletzung war so gravierend, dass sie sich wahrscheinlich noch weit in die kommende Saison hinein auswirken wird – und das bei Leistungsträgern wie Tim Herrmannsdörfer oder Yannik Meyer-Siebert. Zudem wurden weitere Rückraumspieler beim Saisonfinale verabschiedet: Florian Funke (TV Erlangen-Bruck) und Stefan Klenk (SG Regensburg). Nachhaltige Probleme für die Personaldecke in einer durch Ex-Drittligisten und ambitionierte Aufsteiger vermutlich insgesamt verstärkten Liga sieht Berghammer aber trotzdem nicht: „Die Lücken werden in jedem Fall geschlossen – mit welcher Qualität werden wir sehen.“ Das bereits weiterverpflichtete gleichrangige Trainer-Duo Michael Werner und Marc Brückner sei an die Aufgabe gewöhnt, „reife Spieler aus nicht reifen zu entwickeln“: „Die wissen das und machen das auch gerne.“

    Dass es an Breite nicht mangelt, hat Berghammer gerade selbst bewiesen als Trainer der zweiten Mannschaft, die erstmals überhaupt in die Landesliga aufgestiegen ist. Beliebig austauschbar seien die beiden Besetzungen aber trotzdem nicht: „Tatsächlich sind wir sehr stolz auf diesen bisher einmaligen Erfolg. Aber den Leistungsunterschied von Bezirksoberliga zu Landesliga und dann noch mal zur Bayernliga halte ich jeweils für riesig.“

    Ernsthaft bedroht sieht der Haspo-Vorsitzende das Personalkonzept des Vereins jedoch in anderer Weise: „Wir können unsere eigenen jungen Leute nicht mehr halten. Mittlerweile haben wir eine ganze Spielergeneration an Leistungszentren verloren. Das entspricht dem DHB-System, und uns wird immer wieder gesagt, dass wir stolz auf diese Talente sein dürfen – aber ich könnte heulen! Wenn wir diese von uns ausgebildeten Spieler noch hätten, könnten wir in diesem Jahr das große Ziel im Hinterkopf ernsthaft angreifen, mit eigenen Leuten wieder mal die 3. Liga zu erreichen.“

    Keinesfalls werde der Verein aber wegen dieser Entwicklung seine Grundsätze aufgeben: „Wir zahlen weiterhin keinem Spieler etwas außer Fahrtkostenerstattung.“ Vielmehr setzt Berghammer am Spielermarkt auf den guten Ruf: „Wir haben ja bewiesen, dass wir Spieler entwickeln können. Und manchem ist eine wirklich gute Ausbildung schon noch wichtiger als das Geld, von dem anderswo die Rede ist.“

    Trainerwechsel bei den Damen

    Andere Gründe als bei den Männern hat der Haspo-Vorsitzende bei den Frauen für die fallende Formkurve ausgemacht: „Da mangelte es an Kontinuität, und es gab wohl auch das eine oder andere Chemieproblem.“ Eine Folge ist wieder einmal ein Trainerwechsel, wobei der Nachfolger für den jungen Matthias Starz noch nicht feststeht. „Die Gespräche mit Mannschaft und Trainer waren aber sehr angenehm und sachlich“, betont Berghammer. Dafür wird es im Kader diesmal weniger Veränderungen geben als in den zurückliegenden Jahren. Verabschiedet wurde nur Loraine Hellriegel, die sich erneut einer Knieoperation unterziehen muss. Die Linkshänderin, die aus der Zeit als Nachwuchsspielerin des HC Leipzig sogar Erfahrung aus der Champions League vorweisen kann, wird künftig die zweite Mannschaft in der Bezirksoberliga trainieren.


    Nordbayerischer Kurier vom Montag, 13. Mai 2019, Seite 28