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    Sportfest für Toleranz: Sport vereint

    24.01.2015

    Es war das versprochene Sportfest mit klarer Botschaft: Gut 500 Bayreuther Sportler aus mehr als 20 Vereinen kamen am frühen Freitagabend zu einer Demonstration gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auf das Stadtparkett. Aufgerufen dazu hatten Andreas Berghammer von Haspo Bayreuth und Carsten Plötz vom FSV. Weil sie nicht untätig bleiben wollen, während in Dresden und Leipzig Pegida und Legida demonstrieren.

    Die Jungs von der D-I-Jugend des FSV Bayreuth kicken. Turner der BTS haben einen Fallschirm an allen Enden gepackt, lassen darauf einen Ball zirkulieren. Die Mountain-Biker der BikeSport-Bühne sind gekommen, lehnen lässig an ihren Rädern. Ein paar Mädchen spielen Tennis, sie haben mit ihren Rucksäcken ein provisorisches Feld markiert. Die Footballer sind da, die Schützen und die Tänzer, die Schwimmer und die Kanuten vom SVB, Kletterer, Hockeyteams und viele mehr. Sie alle wollen Stellung beziehen: Im Sport spielen Nationalität und Religion keine Rolle. Im Sport gibt es keinen Platz für Rassismus. Sport vereint.

    „Sport verein(t)“ steht auf dem großen Schild, das die Organisatoren aufgestellt haben. Dort bringen die Vereine ihre Embleme an. Mancher schreibt noch ein paar Zeilen dazu: „Die Oldschdod ist gelb-schwarz-bunt“ steht da. Oder. „Wir kennen Bundesliga, aber was ist Pegida?“Mittendrin steht Christian Möckel. „Manchmal muss man ein Zeichen setzen“, sagt der Leiter des Bayreuther Sportamtes. Für Möckel hat diese Aktion doppelte Bedeutung. „Viele Vereine wären ohne Menschen mit ausländischen Wurzeln gar nicht mehr existent“, sagt er. Und es sei ihm ein ganz persönliches Anliegen, heute hier zu sein: „Ich habe eine Menge ausländische Freunde. Ohne Leute wie sie wäre unsere Gesellschaft ärmer.“ Das sehen die, die in Dresden und Leipzig auf die Straße gehen, wohl anders. Die, die sich Pegida und Legida nennen und „Wir sind das Volk“ rufen. Eine Frau hält ein Schild in den Abendhimmel: „Pegida, Ihr seid nicht das Volk. Das Volk ist bunt.“ Beängstigend sei das, was da in Dresden und Leipzig passiert. „Man weiß nicht, was draus wird.“

    „Nein Danke, Pegida.“ Das hat Harry Franken auf das Schild geschrieben, das er sich vor die Brust hält. Seine Vereinskameraden heißen Ali und Hassan, Mohammed und Valid. Sie sind Araber und Marokkaner. Sie schießen mit bei den Vereinigten Schützengilden St. Georgen. „In den Sportvereinen findet Integration statt“, sagt Franken. „Da wird Toleranz gelebt.“ Genau das hier bei dieser Demonstration zu zeigen, sei eine gute Sache. Nur eines wundert ihn: Wo sind eigentlich die Bayreuther Spitzenteams? Die Bundesliga-Basketballer, die Fußballer der ersten Mannschaft der SpVgg?

    Die vor der Demonstration diskutierte Frage, ob sich Sportler in die Politik einmischen sollten, stellt hier keiner mehr. Wer reinhört in die vielen Gespräche auf dem Stadtparkett, erfährt eines immer wieder: Wir sind Sportler, wir haben eine Meinung und dazu stehen wir. Bei uns funktioniert das Zusammenleben.

    Eine Stunde spielen und reden die Sportler miteinander. Dann löst sich die Demonstration auf. Carsten Plötz und Andreas Berghammer, die beiden Organisatoren der Demonstration, sind zufrieden. „Es ist großartig, dass so viele gekommen sind“, sagt Plötz. Wir wollten die Menschen mobilisieren.“


    Volltreffer (Kommentar zur Demonstration)

    Was war das für eine seltsame Debatte in dieser Woche? Dürfen sich Sportler öffentlich gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und explizit auch gegen Pegida stark machen? Zwei Vereine hatten mit ihrer Skepsis im Vorfeld der Sportlerdemo am Freitagabend auf dem Stadtparkett genau diese Diskussion ausgelöst. Die Antwort gaben gut 500 Mitglieder aus etwa 20 Vereinen, die an der Demo teilnahmen: Sie machen es ganz einfach. Mit allem Recht.

    Sport tut viel für die Integration von Migranten und Menschen, deren Familien aus dem Ausland stammen. Wenn man so will, ist Sport also zwangsläufig politisch – und das im allerbesten Sinn. Nicht partei-, sondern gesellschaftspolitisch. Für diese Stärke werden die Vereine in Sonntagsreden immer wieder gelobt. Dass sie zeigen, was sie leisten und wofür sie stehen, ist nur recht und billig. Mehr noch: Ein Sportler ist kein politisches Neutrum. Niemand war gezwungen zu dieser Demonstration zu kommen. Die kamen, haben schlicht ein Grundrecht genutzt. Was bleibt: Es ist gut, dass Sportler nicht wegschauen. Und sich nicht selbst beschränken.


    Von Frank Schmälzle
    Nordbayerischer Kurier vom Samstag, 24. Januar 2015


    Video:
    http://www.nordbayerischer-kurier.de/videos/bayreuther-sportvereine-setzen-ein-zeichen-gegen_717198