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    mA will in die höchste Jugendklasse

    02.05.2014

    Ansturm auf die Bundesliga.

    Haspo-A-Jugend erstmals in der Qualifikation zur höchsten Spielklasse / Mehrkosten von über 20 000 Euro

    Das hat es in Bayreuth bisher nur beim Basketball gegeben – und selbst da ist es selten auf rein sportlichem Weg gelungen: Haspo Bayreuth startet den Versuch, sich für die Bundesliga der männlichen A-Jugend zu qualifizieren.

    „Schon seit über einem Jahr bereiten wir uns auf dieses Ziel vor“, sagt Haspo-Vorsitzender Andreas Berghammer, der im Trainergespann mit Marc Brückner den hoffnungsvollen Nachwuchsjahrgang bereits in der vergangenen Saison der B-Jugend-Bayernliga betreut und zur Vizemeisterschaft geführt hat (hinter dem Leistungszentrum des Ex-Bundesligisten TV Großwallstadt). Fast noch wichtiger für die Entwicklung in dieser Altersklasse sei aber der dritte Mann im Trainerstab, der weniger im Vordergrund steht und nicht gestikulierend am Spielfeldrand zu sehen ist: „Mit Jochen Saborowski haben wir seit eineinhalb Jahren einen speziellen Athletiktrainer, der nach den 90 Trainingsminuten in der Halle noch eine Stunde mit den Jungs an Kraft und Koordination arbeitet.“ Der größte Unterschied zwischen guten Jugendmannschaften und den besten sei fast immer an den körperlichen Voraussetzungen auszumachen: „In der Leistungsspitze braucht man Bären“, sagt Berghammer. Dreimal pro Woche wird trainiert, eine vierte Einheit absolviert zudem jeder noch im Erwachsenenbereich: „Für ein viertes Jugendtraining gäbe es gar nicht genug Hallenzeiten.“

    Mit der Entwicklung des Teams ist Berghammer so zufrieden, dass er die Erwartungen für die nächsten Wochen ganz ohne Umschweife formuliert: „Erklärtes Ziel ist es, in der Bundesliga zu spielen, und das werden wir schaffen. Da müssen wir gar nicht rumeiern.“ Als größten Trumpf bewertet er dabei die mannschaftliche Geschlossenheit: „Wir sind von allen Positionen gefährlich und haben mit 14 Feldspielern tolle Möglichkeiten zum Auswechseln.“ Zudem ist der Kader der letztjährigen B-Jugend bestens eingespielt und bekommt noch ebenfalls längst bewährte Qualität hinzu durch die Rückkehr von David Schreibelmayer. Der ein Jahr ältere Rückraumspieler hat in seiner ersten A-Jugendsaison beim HC Erlangen bereits Bundesliga-Erfahrung gesammelt und zudem mit Doppelspielrecht im Männer-Bayernligateam seines Heimatvereins mitgewirkt.

    Somit müssen nur drei buchstäbliche „Neu“-Zugänge integriert werden: Jakob Hoffmanns aus Fürth sowie Ferdinand Neuß und David Klima aus Auerbach, alle vielseitig einsetzbar. Lars Baldauf (Weiden) und Erik Hammer (Selb) haben bereits in der B-Jugend einiges auf sich genommen, um dabei zu sein. „Die beiden ziehen jetzt sogar nach Bayreuth“, sagt Berghammer stolz. „Und zwar in Wohngemeinschaften mit Spielern der ersten Mannschaft.“

    Weiter gefestigt wurde dieser Teamgeist in der Endphase der Vorbereitung auf den Ansturm auf die Bundesliga durch ein Trainingslager. Im Rahmen der mit Geld der Europäischen Union geförderten Partnerschaft mit Talent Pilsen (wir berichteten) verbrachte der Haspo-Kader vier Tage in Tschechien.

    Womit wir beim leidigen Thema der Kosten wären. „20000 bis 23000 Euro Mehrkosten im Vergleich zu einer Bayernliga-Saison hat Berghammer für ein Jahr in der Jugend-Bundesliga errechnet. Dabei hängt die Länge der Fahrstrecken im Detail aber noch davon ab, ob Bayreuth bei der Vierteilung des bundesweit qualifizierten Feldes der Gruppe Süd oder Ost zugeteilt wird.

    Zusammen mit dem Aufstieg der Damen in die 3. Liga, der automatschen Qualifikation für die B-Jugend-Bayernliga durch den Gewinn der bayerischen C-Jugend-Meisterschaft und der guten Chance, erneut die Bayernliga der C-Jugend zu erreichen, zeichnen sich für den Verein Kosten in Rekordhöhe ab. „Da wird sich zeigen, ob Bayreuth und seine Wirtschaft ein Interesse daran haben, ein zusätzliches sportliches Standbein aufzubauen“, sagt Berghammer. Ein Verzicht auf irgendeinen sportlichen Lohn aus Kostengründen ist für ihn aber trotzdem kein Thema: „Immerhin wäre das dann ja das erfolgreichste Jahr der Vereinsgeschichte.“

    Nicht einmal die Hoffnung ist beim Haspo-Vorsitzenden sehr ausgeprägt, dass sich der Erfolg der Nachwuchsarbeit eines Tages durch entsprechende Verstärkung der ersten Mannschaft buchstäblich „auszahlen“ könnte: „Ich mache grundsätzlich keine langfristigen Pläne mehr über den Zeitraum von zwei Jahren hinaus. Ich kann mir zwar vorstellen, dass dieses Jugendteam so zusammengewachsen ist, dass es vielleicht auch später noch etwas gemeinsam erreichen will. Aber da gibt es einfach zu viele Unwägbarkeiten.“ Zum einen werden die vielen Gymnasiasten im Team irgendwann einen Studienplatz suchen, zum anderen würde ein Jugend-Bundesligist viel überregionale Aufmerksamkeit auf sich ziehen. „Es sind vielleicht keine Ausnahmetalente wie die Müller-Zwillinge dabei“, sagt Berghammer. „Aber der Kader ist viel breiter als beim damaligen 84er Jahrgang. Ich fürchte, da werden andere Vereine Schlange stehen.“


    Zwei bis drei Qualifikationsrunden

    Die Jugend-Bundesliga setzt sich aus 48 Mannschaften zusammen, die in vier Zwölfergruppen eingeteilt sind. Die jeweils vier Erstplatzierten spielen um die Deutsche Meisterschaft, die Plätze fünf und sechs bedeuten den Klassenerhalt. Die Teams auf den Rängen sieben bis zwölf der vier Abschlusstabellen müssen sich für die folgende Saison erneut qualifizieren, so dass in jedem Jahr bundesweit 24 Bundesligaplätze neu vergeben werden.

    Um einen davon zu erobern, muss man zwei bis drei Qualifikationsrunden überstehen. Die fünf bayerischen Bewerber treffen sich zunächst am kommenden Samstag in Allach zu einem Turnier, in dem jede Mannschaft innerhalb eines Tages ein Mammutprogramm von vier Spielen über jeweils zweimal 20 Minuten zu absolvieren hat. Zwar ist die Chance zum Weiterkommen groß, weil vier Mannschaften in die zweite Runde einziehen, aber der erste Platz ist ein ganz besonders reizvolles Ziel. Der bayerische Gruppensieger hat nämlich Heimrecht in der zweiten Runde, in der es zur Verknüpfung mit den Vertretern der drei Vorrundengruppen aus Baden-Württemberg kommt. Wenn man dort bei der Auslosung eine Gruppe mit vier Teams erwischt, wird die Runde wieder an einem Tag abgewickelt, in einer Fünfergruppe aber an zwei Tagen. In jedem Fall sind die Turniersieger bereits für die Bundesliga qualifiziert, und die Mannschaften auf den Plätzen zwei und drei kommen in die nächste Runde.

    Der dritte Durchgang wird dann in jedem Fall in Baden-Württemberg ausgetragen und erstreckt sich über zwei Tage. Wiederum bedeutet der Turniersieg die Qualifikation für die Bundesliga, während drei weitere Mannschaften noch eine letzte Chance bekommen: Am 21./22. Juni kämpfen die verbliebenen Teams aus ganz Deutschland im hessischen Baunatal an zwei Tagen um die letzten freien Plätze (deren Zahl noch nicht genau feststeht).

    „Wenn man die komplette Qualifikation absolviert, verursacht das Kosten wie eine ganze Bayernliga-Saison“, sagt Haspo-Vorsitzender Andreas Berghammer. „Bei den zweitägigen Turnieren muss man zweimal übernachten, weil man wegen der langen Fahrstrecke nicht am Spieltag anreisen kann. Schon aus diesem Grund würden wir die erste Runde sehr gern gewinnen, um dann Heimrecht zu haben.“

    es
    Nordbayerischer Kurier vom Mittwoch, 30. April 2014