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  • Förderprojekt wird zum Selbstläufer

    12.03.2014

    Begegnungen zwischen Mannschaften von Haspo Bayreuth und Talent Pilsen gehen auch ohne EU-Geld weiter.

    Der offizielle Teil neigt sich fast schon dem Ende zu. Schließlich stammt das Fördergeld der Europäischen Union für das Projekt „Handball ohne Grenzen“ zwischen SSK Talent Pilsen und Haspo Bayreuth aus dem Programm „Ziel 3 Freistaat Bayern – Tschechische Republik 2007 bis 2013“. Mit den noch geplanten Unternehmungen bis zum Mai 2015 ist man also schon etwas spät dran. Das stört aber niemanden, denn alle Beteiligten sind sich einig, dass aus dem europäischen Förderprojekt auch ohne weitere Zuschüsse ein Selbstläufer werden soll.

    „Es ist schon geplant, dass unsere Damen- und Herren-Mannschaften im Herbst zur Vorbereitung auf die neue Saison ein Trainingslager in Pilsen absolvieren“, berichtet Haspo-Vorsitzender Andreas Berghammer – natürlich im Bewusstsein, dass dafür keine Mittel aus der Jugendförderung zu erwarten sind. „Die sagen einfach: Das wollen wir auch so machen und zahlen es eben selbst.“

    In allen männlichen Nachwuchsklassen von A- bis D-Jugend sind sich die Mannschaften beider Vereine inzwischen in mehrtägigen Besuchen begegnet. Zuletzt war der tschechische Erstligist mit seiner A- und B-Jugend für vier Tage in Bayreuth. „Je jünger die Spieler sind, umso besser finden sie zusammen“, sagt Matthias Fehn, der bei Haspo für die Finanzverwaltung zuständig ist. „Vor allem bei der C-Jugend läuft das super!“ Berghammer will die Programme der einzelnen Begegnungen daher künftig „noch stärker darauf ausrichten, dass die Jugendlichen auch außerhalb der Halle ins Gespräch kommen“.

    Die guten Erfahrungen werden auch auf tschechischer Seite bestätigt: „Wir sind sehr zufrieden“, sagt Nationaltrainer Vladimir Haber, der in Pilsen als Nachwuchskoordinator tätig ist und zusammen mit dem früheren Weltklassespieler Michal Tonar („Mein Nachfolger im Sommer.“) die Delegation in Bayreuth anführt. „Die vier Tage in Bayreuth haben uns optimale Bedingungen geboten. Diese Begegnungen sind das Beste, was uns passieren kann.“

    Der 64jährige denkt dabei auch an die Nachwuchssorgen seiner Männer-Nationalmannschaft um Weltstar Filip Jicha vom Deutschen Meister THW Kiel, die kürzlich zwar die deutsche Auswahl in der Qualifikation zur Europameisterschaft in Dänemark ausgeschaltet hat, aber dabei schon durch ein relativ hohes Durchschnittsalter ihrer Leistungsträger aufgefallen ist. „In Tschechien gibt es nur noch 5000 aktive Handballer – von den Senioren bis zur E-Jugend“, klagt Haber. Die Referenzen seines in Bayreuth auftretenden U-18-Teams mit sechs Nationalspielern dürfe man daher nicht überbewerten: „Es mangelt an Konkurrenz.“ Zum Vergleich: Im Deutschen Handballbund (DHB) mit seinen rund 850000 Mitgliedern sind etwa 33 000 Mannschaften im Spielbetrieb.

    Besonderen Reiz hat für die Trainer auf beiden Seiten die Begegnung der unterschiedlichen Spielweisen. „Meine Spieler sind etwas faul, dafür aber clever“, beschreibt Haber schmunzelnd die tschechische Mentalität. Matthias Fehn formuliert es etwas gastfreundlicher: „Zumindest für die C-Jugend kann ich sagen, dass die Tschechen individuell etwas stärker sind. Wir kommen dagegen mehr über die Mannschaftsleistung.“ Am deutlichsten sei der Unterschied der Spielanlagen in der Abwehr: Während der DHB für die Ausbildung der jüngeren Nachwuchsklassen eine offensive Deckung zwingend vorschreibt, arbeitet man in Tschechien schon früher mehr mit der 6:0-Formation.

    Von Eberhard Spaeth
    Nordbayerischer Kurier vom Dienstag, 11. März 2014

    Talent Plzen und HaSpo nach Trainingsspiel inm Schulzentrum Ost:
    http://youtu.be/hWClEuo5Yyg